Stabiles Fundament

Michi Einsatzübung Hunde

Neben meiner Firma mit den Workshops und Coaching, bin ich in mehreren Organisationen ehrenamtlich tätig. Nicht, weil mir langweilig ist. Sondern weil ich mich gerne engagiere, etwas sinnvolles tue und dabei auch viel lernen möchte. Zwei der Organisationen, in denen ich tätig bin, sind die österreichische Rettungshundebrigade (ÖRHB) und das Rote Kreuz. In der einen Organisation als Hundeführerin, Trainerin und Einsatzkoordinatorin. In der anderen als Rettungssanitäterin und Mannschaftsvertreterin. In beiden Organisationen bin ich auch als Peer tätig. In dieser Funktion helfe ich Kolleg:innen belastende Einsätze zu verarbeiten. Denn was einem in einer Einsatzorganisation unterkommt, ist nicht alltäglich. Wir treffen defacto immer auf Menschen, die in einer Ausnahmesituation sind. Weil Sie sich verirrt haben oder ihre Angehörigen vermissen. Oder weil sie sich verletzt haben, krank sind, Schmerzen haben. Wir begegnen diesen Menschen in einem meist hochemotionalem Zustand, der manchmal auch mit Scham behaftet ist – weil sie sich verirrt haben, einen Unfall verursacht haben oder die Rettungskräfte sie halbnackt im Badezimmer vorfinden, wo sie alleine nicht mehr aufstehen können. 

Einsatzkräfte, die Menschen in so fragilen Umständen finden, lernen damit umzugehen aus Eigenschutz. Und doch gibt es immer wieder Situationen, die anders sind, die herausfordernder sind. Dann stehen die Peers zur Seite. Sie sind nach Psychologengesetz psychologische Hilfskräfte, die speziell ausgebildet wurden um Kolleg:innen aus den eigenen Reihen zu unterstützen herausfordernde Einsätze einzusortieren, zu verarbeiten und abzuschließen.

Warum ich das hier erzähle?

Weil mich diese ehrenamtilche Arbeit nach all den Jahren geprägt hat. Mich regt nichts mehr so schnell auf. Erst vor kurzem wurde ich nach einem Peer Einsatz nach einem Gewaltverbrechen gefragt: Wie schaffst du das? Meine Antwort darauf war: Ich schreibe!

Denn tatsächlich ist schreiben die Methode, mit der ich all die Dinge, die mir unterkommen, verarbeite. Indem ich meinem Notizbuch erzähle, was passiert ist, wie es mir dabei gegangen ist, was ich anders hätte machen können und was ich daraus gelernt habe, reflektiere ich die Erlebnisse in einem sicheren Rahmen. Diese Reflexion über Erfahrungen bilden das Fundament meiner mentalen Gesundheit. Und dieses Fundament ist erstaunlich stabil. 

Bin ich deshalb abgestumpft oder herzlos? Nein. In der Situation mit meinem Gegenüber bin ich emphatisch, der Fels in der Brandung, den solche Ausnahmesituationen nun mal brauchen. Wenn ich aus der Situation gehe, bin ich meist unendlich müde, weil diese meine ganze Konzentration und Aufmerksamkeit aufgebraucht hat. Ich sorge dann gut für mich indem ich esse und trinke, mit meinen Hunden spazieren gehe und gönne mir Schlaf. Am nächsten Tag schreibe ich – mit einer der vielen Schreibmethoden, die mir zur Verfügung stehe und reflektiere das Ereignis. Ich füge meinem Fundament eine weitere Schicht hinzu, auf der ich stabil stehe. 

Wenn Sie das nächste Mal eine stressige Situation im Job hatten, nehmen Sie sich 5 Minuten Zeit und beantworten Sie eine oder mehrere der folgenden Fragen schriftlich für sich:

  • Was war schwierig an der Situation für mich?
  • Was genau hat mich daran gestresst?
  • Was ist gut gelaufen?
  • Was hätte ich anders machen können?
  • Welche Ressource hätte ich gebraucht?
  • Welche Ressource habe ich genutzt?

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